Ein entspannter Montag

//Ein entspannter Montag

Ein entspannter Montag

…sollte es werden. In den letzten Wochen hatte ich wirklich richtig viel zu tun, fast täglich war ich mit irgendeinem Tierschutzfall beschäftigt. Ich mache das ja von Herzen gerne, aber momentan nimmt das einfach überhand.

Und so habe ich mir vorgenommen, meinen „freien“ Montag ganz entspannt zu gestalten. Ein langer, ruhiger Spaziergang mit unseren Hunden war geplant, ich nenne das gerne meine persönliche Yogastunde. Es fing auch wirklich sehr schön an. Wir waren am Rhein, die Hunde tobten im Wasser, suhlten sich im Sand und wir hatten viel Spass miteinander. Eine kleine Einschränkung: auf dem Hinweg treffen wir auf zwei unangeleinte und leider Gottes auch nicht besonders gut hörende Golden Retriever. Es ist, wie es fast immer ist – ich leine meine Hunde an, die mir entgegenkommenden Besitzer sehen das, ignorieren es und deren Hunde laufen unseren Damen freudig entgegen. Meistens sage ich nichts und gehe einfach weiter, heute morgen waren meine Nerven etwas dünner und ich habe lautstark gemeckert. Den genauen Wortlaut behalte ich für mich, vielleicht könnt‘ ihr es euch denken. Damenhaft ist anders 🙂

Wir treten den Rückweg an, der uns über die Felder von Büderich führt. Es ist herrlich dort, man trifft so gut wie niemanden, kaum Menschen, keine „Tutnixe“ oder „der will doch nur Guten Tag sagen oder im Zweifel nur spielen“. Wunderbar, die Hunde und ich sind total entspannt.

Kurz vor dem Bahnübergang am Friedhof beobachte ich einen Mann, der dort mit seinem Hund läuft. Ich bin ungefähr 50m entfernt, meine Hunde sind an der Leine. Wir hatten dort vor ca. 10 Tagen eine kleine Jagdsequenz, Manu und Cleo hatten einen Hasen in der Nase und waren nicht besonders folgsam. Da so was von so was kommt bleiben sie also in dem Gebiet angeleint, ist ja kein Problem. Der Herr kuschelt ein bisschen mit seinem Hund und ich meine, er hat ihn danach abgeleint. Ganz sicher bin ich nicht, aber die folgenden Momente lassen es vermuten.

Der sehr helle Hund, ich habe zunächst gedacht Golden Retriever oder so was in der Art, läuft schnellen Schrittes in Richtung Bahnübergang. Der Mann ruft ihn, ich glaube Floh oder so etwas in der Art. der Hund läuft völlig unbeeindruckt weiter. Er rennt nicht, hat aber einen flotten Schritt. Und nähert sich dem Bahnübergang. Der Mann geht im normalen Tempo weiter, ruft ständig nach dem Hund. In mir steigt Wut auf. Dieser Bahnübergang ist gefährlich, ich stelle mir vor, der Hund ist jenseits der Schienen, die Schranke geht runter, Hund dreht womöglich um, Bahn kommt – peng. Das alles schießt mir durch den Kopf und ich bete insgeheim, dass ich hier nicht gleich Zeuge von einem Unglück werde. Nun nimmt der Mann Tempo auf und läuft seinem Hund hinterher. Kaum hat er die Bahngleise passiert, geht die Schranke auch runter…

Wir laufen weiter. Am Friedhofweg sehen wir den Mann und seinen Hund (doch kein Golden, eher wie ein sehr weißer Schäferhund) wieder. Er ruft noch immer nach ihm, Hund reagiert nicht und biegt rechts ab Richtung Brühler Weg. Dann sind beide außer Sichtweite. Ich murmel mir was in meinen nichtvorhandenen Bart, schon wieder nicht besonders damenhaft.

Wir laufen weiter Richtung Dorfstrasse. Kurz hinter der Pferdekoppel steht eine ältere Dame, sehr aufgeregt spricht sie mich an. Ob ich einen weißen Hund und einen Mann (ihren) gesehen hätte. Kann ich bestätigen und die Dame erzählt. Der Hund ist erst seit gestern Abend bei ihnen, ursprünglich kommt er aus Portugal und wurde dort gerettet. Leute – mein Adrenalin schiesst in ungeahnte Höhen. Ich hadere ja schon länger mit dem Thema Auslandsimporte -den Begriff Auslandstierschutz erwähne ich hier sehr bewusst nicht. Ihr Mann hat also heute den ersten Spaziergang mit dem Hund gemacht. Sie weiß nicht, ob die Leine gerissen ist oder das Halsband oder beides oder oder. Der Hund hat auf jeden Fall kein Geschirr an. Ja nee ist klar, warum auch. Ich drücke der Dame meine Visitenkarte in die Hand, schicke sie nach Hause an ihr Telefon. Das hat sie nämlich in der Hektik zu Hause vergessen, ist also für ihren Mann nicht erreichbar. Sage ihr, sie soll mich in 15 Minuten anrufen, dann besprechen wir die weiteren Schritte. Im Geiste drucke ich schon wieder Suchflyer aus und renne durch den Ort, um sie zu verbreiten. Und ich fluche, weil ich mir diesen Tag nun wahrlich anders vorgestellt habe.

Etwas später, ich bin noch nicht zu Hause angekommen, weil ich einen Umweg gelaufen bin und dabei nach dem Hund Ausschau gehalten habe, ruft die Dame mich an. Ihr Mann hat den Hund einfangen können und ist jetzt auf dem Weg nach Hause. Ich rate ihr zu einem Sicherheitsgeschirr. Nein sagt sie, sie ist bei einem Trainer und der lehnt Geschirre ab. Aha. Hier gerät eindeutig etwas durcheinander. Ich kenne den Trainer, er ist ohne Zweifel super. Aber seine Methode, mit dem Halsband zu trainieren, hat nun gar nichts damit zu tun, einen Hund, der ganz frisch in seinem neuen Zuhause angekommen ist, vernünftig mit einem Fluchtgeschirr zu sichern. Ich weiss, dass er das genauso sieht und die Dame hier etwas nicht richtig verstanden hat. Ich schiebe das jetzt mal auf ihre Aufregung.

Sie erzählt mir, dass sie immer schon Hunde hat, aber eigentlich immer nur recht Kleine.

Und jetzt frage ich mal völlig provokant: Wer hat diesen Hund an diese Menschen vermittelt? Die Dame ist sicher Ü70, ihr Mann dann wohl wahrscheinlich auch. Der Hund hat mindestens 60cm Schulterhöhe, er sah noch recht jung aus. Ist das eine passende Kombination? Und WARUM trägt der Hund kein Geschirr? Wurde das nicht zur Auflage gemacht? Wenn nicht, ist das grob fahrlässig. War es so und die Besitzer haben es einfach nicht angezogen, ist das ebenfalls grob fahrlässig.

Es ging ja nun Gott sei Dank gut aus. Mein Stresslevel beruhigt sich, ist aber noch nicht bei Null.

Mir reicht’s dann für heute.

By | 2017-06-12T14:02:01+00:00 Juni 12th, 2017|Tagebuch|0 Comments

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