Pfrohe Fingsten

//Pfrohe Fingsten

Pfrohe Fingsten

Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende mal nichts tun. Also mein „nichts“ meine ich. Das bedeutet, außer Fenster putzen, waschen, aufräumen und ein bisschen im Garten buddeln eigentlich nichts tun.

Der Samstag ließ sich gut an, auch gestern lief alles so ziemlich nach Plan. Wir waren gestern mit den Hunden an der Niers, nachmittags habe ich nach mehr als 15 Jahren wieder einmal Tennis gespielt, was erstaunlich gut funktionierte (wenn man mal von dem leuchtturmroten Kopf absieht, die Kondition lässt ein wenig zu wünschen übrig). Wieder zu Hause haben wir ganz gemütlich gegessen, alles war prima und entspannt.

Ein Fehler war es, den Hunden frischen Fisch zu füttern, aber das wußte ich ja gestern Abend noch nicht. Hier bei uns im Dorf ist, wie wohl fast überall, Schützenfest. Alles ist feierlich geschmückt und rund um uns finden Partys statt. Direkt gegenüber feierte man bis 02:30. Weiss ich genau, weil ich nämlich nicht schlafen konnte. Dann endlich herrscht Ruhe. Oder relative Ruhe. Manu kommt ins Schlafzimmer, kein gutes Zeichen. Das passiert nur, wenn was passiert ist oder es droht was zu passieren. Also runter, Manu hat recht, irgendjemand hat in Cleos Körbchen gekotzt. Raus mit den Hunden, aber außer neugierig in der Gegend rumzuschauen passiert nichts.

Um 06:16 (!!!!) werden wir geweckt. Ich fasse es nicht, irgendeine Musikkapelle zieht hier durch die Strassen. Zuerst dachte ich, sie seien von gestern übrig geblieben, aber die Töne klangen sehr rein und melodisch, also scheinen die Musikanten durchaus in der Lage, vom Notenblatt abzulesen. Naja, immerhin noch besser als vom Fluglärm geweckt zu werden.

Ich stehe also auf und mache mir erst einmal gaaaanz in Ruhe einen Kaffee, lasse die Hunde draussen Pipi machen. Der Gatte wird irgendwann später wach und informiert mich, dass Daphne gestern am späten Abend einige Male in sein Zimmer gekotzt hat, 4mal, um es exakt zu benennen. Und natürlich auf den hochflorigen Teppich. Zum Verständnis : Hier bei uns hat jeder sein eigenes Zimmer. Gerd’s Zimmer ist das hochheilige Musikzimmer, hierher zieht er sich zurück, um sich von seiner Stereoanlage berieseln zu lassen. Mein Zimmer ist auch sehr schön, ich bin nahezu verliebt in Waschmaschine und Trockner. Der Waschkeller gehört uneingeschränkt mir. Was habe ich für ein Glück.

Ich inspiziere das Wohnzimmer und entdecke noch eine Stelle rückwärts transportierter Essensreste. OK, ich hole den Kärcher aus dem Keller und fange noch vor dem Frühstück an, den Wohnzimmerboden zu putzen. Ist nicht schlimm, stand ja sowieso auf meinem Plan.

Nach dem Frühstück schmeisse ich die Waschmaschine an. Während sie ihre Arbeit macht gehe ich in den Garten. Der Baum vor unserem Haus muß dringend gewässert werden. Ich schließe den Schlauch an und stelle die Gartenpumpe an. Uih, was ist jetzt los – aus einer unserer im Boden eingelassenen Wasserzapfstellen sprudelt es gewaltig. Eine hohe Fontäne schiesst heraus und wässert blöderweise die Stuhlkissen. Ich drehe das Wasser ab und hole den Gatten zur Hilfe, so kann das ja schließlich nicht bleiben. Fachmännisch begutachtet er die Zapfstelle und beauftragt mich, das Wasser anzustellen. Was jetzt kommt, kennt bestimmt jeder. Nichts kommt, kein Wasser dringt unaufgefordert aus dem Tank, alles ist so, wie es sein soll. Der Gatte verlässt mit einem leisen tztztz die Szene.

Ich bringe den Schlauchwagen in Position, schliesse den Sprenger an und positioniere ihn in der Nähe des Baumes. Wasser läuft, alles prima. Leider nur kurz, der Schlauch rutscht nämlich aus dem Ventil und der Schlauch macht sich ob des Drucks selbstständig. Überflüssig zu erwähnen, dass ich klitschnass werde… Ich renne also zurück zur Pumpe, stelle das Wasser ab, laufe zurück zum Schlauch, montiere das Ventil und nun läuft das Wasser dorthin, wo es hin soll.

Irgendwann später gehe ich in den Keller, die Waschmaschine sollte fertig sein. Ist sie auch, mein Timing ist richtig gut. Und spätestens jetzt ahnt der aufmerksame Leser, was kommt. RICHTIG – der Keller, MEIN Zimmer steht unter Wasser. Schon wieder, ich glaube jetzt zum 3. Mal in kurzer Folge. Und dieses Mal ist es noch viel mehr als sonst, das bekomme ich unmöglich mit Aufnehmern oder Handtüchern bewältigt. Da fällt mir ein, dass wir einen Wassersauger haben. Ihn kann ich aber nicht bedienen, das ist eindeutig ein Männerspielzeug und ich habe die Anleitung nicht. Also vorsichtshalber mit dem Teil von ganz nach unten nach ganz oben. Gerd hat eine Telefonkonferenz, in England ist kein Feiertag und die Telko ist wichtig. Ich stehe mit dem Wassersauger im Arbeitszimmer und lerne, wie hochkonzentriert mein Gatte arbeiten kann. Ich stehe dort und stehe und stehe und er telefoniert und telefoniert und telefoniert. Ich glaube, er hat gar nicht mitbekommen, dass ich im Zimmer war. Demütig und sehr leise verlasse ich den Raum wieder, natürlich gemeinsam mit dem Wassersauger. Ich traue mich nicht, ihn anzuschmeissen. Am Ende geht er kaputt und ich bin schuld -nee nee nee. Greife zu meinem Kärcher, der saugt auch auf, wenn auch ein bisschen langsamer und umständlicher, aber es geht. Die ganze Nummer wirft mich in meinem Zeitplan zurück.

Mein Retter. Mein Held. Mein Kärcher.

Ich entschliesse mich, mein Schicksal anzunehmen. Der Haushalt scheint heute nicht zu meinem Freund zu werden, auch das Wasser ist mir nicht besonders zugetan.

Frage: was trinke ich denn jetzt? Wasser mag mich heute nicht und vier Uhr ist es auch noch nicht. Kaffee mag ich jetzt nicht, Obstsaft ist keiner da. Tee müsste ich mit Wasser zubereiten, scheidet also aus. Hat irgendjemand eine Idee?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen geregelten, ruhigen, trockenen und entspannten Fingstmontag :-). Auf keinen Fall so verdreht wie bei mir 🙂

PS: Tierschutzthemen waren natürlich auch dabei. Gesucht wird dringend ein Platz für eine Hündin, deren Frauchen im Krankenhaus ist.  Nur für die Dauer des KH-Aufenthaltes. Ich habe schon alle Freunde angeschrieben bzw. angerufen, bisher leider erfolglos. Und Interessenten für Rosa haben sich gemeldet.

By | 2017-06-05T15:22:08+00:00 Juni 5th, 2017|Tagebuch|3 Comments

3 Comments

  1. Helmut 5. Juni 2017 at 16:48 - Reply

    Tach mein Herz.
    Nachem ich mir die Lachtränen abgewischt hab: Ist dir aufgefallen, was alles passiert, wenn man vorhat, dass nix passieren möge? Ich mach das nicht mehr mit! Ich nehme mir ein Riesenpensum für den Tag „X“ vor, das Schicksal merkt das und lässt mich in Ruhe.
    Na und dann mach ich völlig ungestört………..NIX!
    Bloß am Rande, wie schaffst du denn den Haushalt ohne profunde technische Kenntnisse.
    Ist ja irre dieser Technisierungsgrad. Und der Stromverbrauch! Also ich könnt datt nit.
    Machs gut und, nicht vergessen, immer leicht gebückt mit gesenktem Haupt und Blick,
    rückwärts den Raum verlassen, wenn der Herr Gemahl anderweitig tätig ist.
    Duck und weg.
    Helmut

    • Marion Itjeshorst 5. Juni 2017 at 22:52 - Reply

      Mein Lieber,
      ich mache es ab jetzt wir Du. Nehme mir maximal was vor und hoffe darauf, das nix passiert.
      Und zur Technik- die bisher beschriebene ist erst der Anfang. Warte, bis ich von unserer computergesteuerten Beleuchtung erzähle und wie ich damit klarkomme. Da brennt dann schon mal die ganze Nacht das Licht in allen Räumen. Nur gut, dass wir unseren Strom selbst produzieren. Alles andere wäre unser Ruin:-))).

      • Helmut 6. Juni 2017 at 10:53 - Reply

        Also das hätte ich ja nun nicht gedacht. Putzen, waschen, legen, high end Electronic bedienen,
        Hunde ausführen und medizinisch betreuen, Rotweinflaschehn öffnen, den Gatten bespaßen,
        dazu noch pausenlos charmant lächeln. UND DANN AUCH NOCH STROM ERZEUGEN!
        Nein, mein ein und alles, das geht entschieden zu weit.
        Lass doch mal jemand von einer Gewerkschaft (Nahrungsmittel und Genuss z.B. ) prüfen,
        ob du wirklich artgerecht gehalten wirst. Grüße dich herzlich und im Kummer vereint.

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