Wie aus Tommy ein Indi wurde

//Wie aus Tommy ein Indi wurde

Wie aus Tommy ein Indi wurde

Am 03. Oktober 2017 erreicht uns ein Hilferuf. Der Pudel einer alten Dame aus Norddeutschland, die wegen ihrer Demenzerkrankung in ein Pflegeheim gekommen ist, sucht ein neues Zuhause. Vorübergehend ist er bei der Enkelin der Dame untergebracht, dort kann er aber nur behelfsmässig versorgt werden.

Tommy, so heisst der kleine Kerl, ist 14 Jahre alt, fast blind und taub. Schon länger konnte sich sein Frauchen, selbst sehr krank, nicht mehr um den niedlichen Kerl kümmern. So fristeten beide ihr Dasein, mehr recht als schlecht.

Tommy im alten Zuhause

Es sieht so aus, als sieht er etwas. Viel kann es aber nicht sein.

Ungefähr eine Woche vor diesem Notruf suchten wir dringend für einen alten Beagle Mix ein Zuhause. Er hat ca. 24 Stunden neben seinem toten Frauchen gelegen, was für eine furchtbare Situation. Sehr tierliebe Menschen haben ihn zu sich genommen, er hat mittlerweile sein neues Zuhause gefunden und ihm geht es sehr gut. Durch diesen Notfall haben wir durch das Frauchen von „unserem“ Pluto, mit der wir einen guten Kontakt halten, von einem Gnadenhof für Hunde in Norddeutschland erfahren.

In einem unserer Telefonate habe ich von Tommy erzählt. Sehr kurze Zeit später erhielt ich die Info, dass dieser Gnadenhof einen Platz für das Pudelchen hat. Ich habe dann den Kontakt zur Enkelin hergestellt und die (guten) Dinge nahmen ihren Lauf.

So kam Tommy am 12. Oktober in sein neues Zuhause. Hier ein Überblick seiner „Baustellen“:

Tumor in der rechten Leiste, knapp Tischtennisball groß. Warzen oder Hautveränderungen über den ganzen Körper verteilt. Analdrüsenentzündung, Ohren entzündet. Beide Augen tränen und sind ebenfalls entzündet. Eine ältere, tiefe Wunde an der rechten Halsseite (sieht aus wie eine Bißwunde). Nahezu blind und fast taub, das Herz stolpert.

Die Enkelin ist mit dem alten Tommy noch zum Tierarzt gegangen. Und jetzt kommt, was leider unweigerlich kommen mußte: Der gute (!) Mann hat dem alten Tommy noch flugs eine 6fach Impfung verpasst.  Es gab nichts gegen die Augenentzündung, die verletzte Stelle am Hals hat er gar nicht bemerkt, von dem großen Knubbel in der Leiste ist nicht die Rede, auch die Ohrenentzündung bleibt unbehandelt.Kommentare verkneifen wir uns mühsam.

Am 28. Oktober haben wir Tommy, der jetzt Indi heißt (eigentlich sollte es Tommy Lee Jones werden, das Tommy Lee wurde gestrichen und ein Indiana vorgesetzt – liebevoll abgekürzt Indi :-). Humor haben sie, die Besitzerinnen des Gnadenhofes.

Fast 24 Stunden habe ich dort verbracht, begleitet von Sturm Herwart. Mich erwarten nicht nur Frauchen und Herrchen von Pluto (er natürlich auch) sondern auch die Besitzerinnen des Stay forever Gnadenhofes, Eva Maria und Bella. Inmitten von alten, kranken, blinden, dementen, aber auch putzmunteren, niedlichen und wuseligen Hunden tapst Indi. Er wurde von dem Rudel liebevoll aufgenommen, teilweise laufen sie neben ihm, es gibt kein Gezanke. Mittlerweile kennt er sich schon recht gut aus und man merkt ihm an, dass er gut mit seinem fehlenden Augenlicht zurechtkommt.

Teilweise bin ich bei der Fütterung der, zugegeben recht kleinen Raubtiere des  Gnadenhofes, dabei. Das Futter ist auf jeden einzelnen Hund abgestimmt, benötigte Futtermittelzusätze werden je nach Bedarf den Frischfleischportionen zugesetzt.

Dann folgt die Behandlungsstunde. Insbesondere Indi benötigt momentan noch ein hohes Maß an Pflege. Liebevoll und ruhig werden die Augen geputzt, die Wunde am Hals gereinigt und versorgt und eigentlich alles an ihm kurz begutachtet.

 

So sieht sie aus, die Wunde.Nicht gerade klein und anfangs versteckt unter dem vielen Fell, dass bei einem Hundefriseur erst einmal auf eine pflegeleichte Kurzhaarfriseur gestutzt wurde.

Indi hält bei allem völlig still. Und als er danach bei seinem neuen Frauchen eine extra Kuscheleinheit geniesst, bin auch ich ganz still. Ein schöner Moment.

Ich bin völlig überwältigt, mit welcher Fürsorge, Liebe und Geduld die Hunde dort versorgt werden. Der Tag für Eva Maria und Bella beginnt pünktlich morgens um 05:00h und endet selten vor 21:00h am Abend. Was für ein Pensum, das mit einer fröhlichen, positiven und absolut liebevollen Grundstimmung bewältigt wird. Und ich weiss, was das bedeutet, schließlich ist das bei unserem Verein auch nicht viel anders. Der Unterschied liegt wohl lediglich darin, dass wir neben den alten Hunden auch noch Hühner, Gänse, Pferde und Schafe versorgen.

Mit grossem Respekt vor diesem Einsatz, der 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag bedeutet, freue ich mich, solche Menschen kennen zu dürfen. Ich selbst dachte immer, ich tue schon viel, aber  angesichts dieser Leistung ist das nur ein lächerlich kleiner Teil.

Danke, Eva Maria und Bella vom Stay Forever Gnadenhof. Für die großartige Gastfreundschaft, für die Einblicke, die ihr mir gewährt habt. Und Danke, dass wir so viel Spass hatten und so gelacht haben. Und zum Abschluss eine kleine Drohung : wir sehen uns wieder.

Last but not least – Danke Jule. Ohne Dich wäre Indi nicht so mega gut versorgt.

Hier noch einige Fotos vom kleinen Individuelle.

By | 2017-11-08T19:52:43+00:00 November 8th, 2017|Tagebuch|1 Comment

One Comment

  1. Jule 8. November 2017 at 20:58 - Reply

    Immer wieder gerne und von Herzen.

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